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Vendredi 2 mars 2007




"Heu-Schreck-en" als Umweltschützer ?

VON LUZIAN CASPAR


Eine Gruppe von „Private Equlty"-Investoren, angeführt von Kohlberg Kravls Roberts (KKR) und Texas Pacific Group, will die größte Elektrizitätsgesellschaft von Texas, TXU Corp, übernehmen und in Privatbesitz überfuehren, Um politische Widerstände zu überwinden, schlossen die Käufer einen Deal mit Umweltschutzorganisationen.




TXU ist die größte Elektrizitätsgesellschaft in Texas, und auch die meistgehasste. Weil Texas das modernste Stromversorgungsgesetz Amerikas hat, das praktisch den ganzen Strommarkt dereguliert und alle Preiskontrollen aufgehoben hat, hat der Konzern die Stromtarife massiv angehoben. Kunden, die prompt bezahlen, erhalten Rabatte, aber wer nicht bezahlen kann; wird rasch und mitleidslos vom Strom abgeschnitten. „Große Teile unserer Innenstadt sind nachts dunkel", beklagt sich die Bürgermeisterin von Dallas. Das Resultat sind rasch steigende Gewinne: In den letzten drei Jahren hat sich der Aktienkurs von TXU verfünffacht. TXU ist einer der schnellstwachsenden Elektrizitätskonzerne der USA und hat auch in andere Bundesstaaten expandiert.

Kein Wunder, sind die Private Equlty-Firmen interessiert. Denn diese Wallstreet-Firmen, die die Gelder reicher Privatinvestoren, Stiftungen und Pensionskassen poolen, suchen laufend nach neuen Investitionsmöglichkeiten, möglichst solche, die einen raschen „Turnaround" oder eine hohe langfristige Rendite versprechen. Im Fall der Stromversorgung ist es das letztere: Die „buy-out" Firmen suchen Infrastruktur-Investitionen, die einen hohen Cashflow haben und damit die Schulden decken, mit denen die Übernahme finanziert wird.

Elektrizitätsgesellschaften in deregulierten Märkten sind deshalb verlockend. Doch bis heute wurden die Versuche der Buyout-Firmen, Elektrizitaeskonzerne zu
übernehmen, meist abgeschmettert:

Umweltschutzgruppen haben es leicht, gegen neue Kraftwerke Stimmung zu machen, wenn Privatinvestoren involviert sind, die dafür bekannt sind nur am kurzfristigen Gewinn nteressiert zu sein.

Deshalb haben KKR und Texas Pacific, an deren Konsortium auch Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup und Lehman Brothers finanziell beteiligt sind, jetzt einige neue Ideen ins Spiel gebracht, um den zu erwartenden öffentlichen Widerstand zu brechen.

Die Käufer versprechen, die Stromtarife nach der Übernahme um 10 Prozent zu senken und statt elf neuer Kohlekraftwerke, wie angeblich geplant, nur drei zu bauen. Es handelt sich freilich um die drei größten Die Käufer versprechen auch, dass TXU sich nach der Übernahme für ein nationales Emissions-Handelssystem einsetzt (cap-and-trade) und seine Kohlendioxyd-Emissionen bis zum Jahr 2020 auf das Niveau von 1990 senken wird.
Und das Energiesparbudget des Konzerns - das Kunden den Anreiz gibt, mehr Energie zu sparen - soll verdoppelt werden.,Als Alliierte peilte man führende Umweltschutzorganisationen an. Am 14. Februar (St. Valentinstag) erhielt der Präsident des „Environmental Defense Fund" einen Anruf des Chefs von Texas Pacific. Man
wolle ein "gruener"  Konzern werden, sagte der Financier. Kritiker zweifeln jedoch an dieser Absicht. Denn die Absicht, elf neue Kohlekraftwerke zu bauen, habe schon seit längerem nur noch auf dem Papier bestanden. Mit dem Verzicht auf acht dieser Werke spart TXU mindestens 10 Mrd. Dollar.

Und wenn der Ausfall nicht durch andere Kraftwerke wettgemacht wird, könnten die Strompreise in Texas kometenhaft steigen, denn der Cowboy-Staat hat erstaunlicherweise fast keine Hochspannungsleitungen, die es erlauben, Strom aus anderen Bundesstaaten zu importieren. Die meisten der Kraftwerke, die TXU jetzt streichen will, waren bereits vorher auf starken öffentlichen Widerstand gestoßen. Die Umweltschutzorganisationen erreichten also lediglich die Kündigung von Projekten, die noch gar nicht bewilligt waren.


par Pancho Villa publié dans : Luzian Caspar
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