Looks like WS's got a new bear...„Kohle-Goldrausch" in USA?
Amerika will Energie sparen
Der Stromverbrauch in den Vereinigten Staaten steigt bis 2030 um 41 Prozent
LUZIAN CASPAR
"Global Warnung" ist in den USA zu einem heißen Thema geworden. In der Potlitik hat ein Umdenken begonnen, und die Industrie drängt auf Innovationen. Doch der Handlungsspietraum ist begrenzt. Denn der Energiebedarf steigt
Starpower im Kapitol: Vergangene Woche hatte Ex-Vizepräsident Al Gore seinen großen Auftritt vor dem Kongress. John Dingell, der mächtige Vorsitzende des Energieausschusses im Repräsentantenhaus, hatte den Oscar-Preisträger als Hauptzeuge an ein Energje-Hearing eingeladen. Der Abgeordnete aus dem Auto-Staat Michigan hat sich in den letzten paar Wochen in der Klimapolitik vom Saulus zum Paulus gewandelt.
Die Erwartungen an Gores Auftritt - frisch von der Oscar-Preisverleihung und im Heiligenschein Hollywoods - waren hoch. Doch vor dem Kongressausschuss stieß er auf erstaunlichen Widerstand. Joe Barton, ein Gingrich-Republikaner, der im Levinsky-Skandal eine Hauptrolle bei den Impeachment-Versuchen gegen Präsident Clinton spielte, forderte Gore direkt heraus: Viele Behauptungen in Gores Dokumentarfilm „An Inconvenient Truth" seien wissenschaftlich unhaltbar, sagte er, und er drängte den Ex-Senator dazu, dem amerikanischen Volk klar zu sagen, wie hoch er die Benzinverbrauchsvorschriften anzuheben gedenke. (Gore hatte nicht den Mut, eine Antwort zu geben). Eine CO2-Steuer würde den „amerikanischen Familien" schweren Schaden zufügen, sagte Barton. Solange China jede Woche ein neues Kohlekraftwerk baue, habe es keinen Sinn, in Amerika zu sparen. Und der Emissionshandel, wie man ihn in Europa kenne („cap-and-trade" System), funktioniere nicht und dürfe in Amerika auf keinen Fall ausprobiert werden.
Das Hearing zeigte das Dilemma, vor dem die Amerikaner stehen: Die Realität der Klimaerwärmung wird zwar jetzt größtenteils anerkannt - der Umschwung kam namentlich infolge des Orkans „Katrina" - und im Volk hat ein Umdenken begonnen - namentlich in Kalifornien und in Neuengland - aber die Aufgabe scheint fast unlösbar, denn Amerikas Energiehunger scheint unersättlich zu sein, und Energiesparen ist praktisch unbekannt. Dies gilt nicht nur für den Benzinverbrauch, sondern auch für den Stromverbrauch: Laut dem US-Energieministerium wird der US-Elektrizitätsverbrauch in den nächsten 20 Jahren weiterhin jedes Jahr um mehrere Prozent steigen (bis zum Jahr 2030 insgesamt um 41 Prozent).
Etwa 150 neue Kohlekraftwerke werden gebaut werden müssen, wenn diese Projektionen stimmen. Denn Kohle ist der wichtigste Energieträger in der amerikanischen Stromerzeugung, und ihr Anteil wird laut Energieministerium m den nächsten 20 Jahren weiter steigen (von 50 auf 57 Prozent).
Im Milderen Westen der USA ist gegenwärtig ein eigentlicher „Kohle-Rausch" im Gang. Etwa 40 neue Kohlekraftwerke stehen im Bau oder kurz vor dem Baubeginn - mehr als irgendwann seit den Siebzigerjahren. Kohle ist so aktuell, dass die Chinesen sich überlegen, im Mittleren Westen der USA, wo Kohle nahe an der Oberfläche liegt und leicht abbaubar ist Ländereien zu erwerben. Die Konsequenzen für die Treibhausgas-Emissionen sind natürlich fatal: Jedes einzelne der drei großen neuen Kohlekraftwerke, die gegenwärtig in Texas geplant werden, wird mehr zusätzliches CO2 in die Luft pumpen als alle Emissionen, die aufgrund neu verabschiedeter CO2-Gesetze in den nordöstlichen Staaten der USA eingespart werden dürften.
Denn der Hunger dieser Kraftwerke ist gewaltig: Ein einziges Kraftwerk am Missouri-Fluss, das momentan vor der Vollendung steht, verbraucht jede Stunde 400 Tonnen Kohle. Die mit Kohle beladenen Güterzüge, die jeden Tag auf das Werk zurollen werden, haben eine Länge von zwei bis 2,5 Kilometern. Alternativen gebe es kaum, sagen die Experten. Denn die Wasserkraft-Reserven in den USA sind ausgeschöpft und viele neue Kernkraftwerke dürften kaum gebaut werden, obwohl die Industrie darauf drängt.
Und die Altemativenergien -Wind, Solar etc. - werden laut den Projektionen des Energieministeriums in den nächsten 20 Jahren lediglich von 2,3 auf 3,5 Prozent steigen. Windfarmen werden zwar gebaut und haben in gewissen Gegenden - zum Beispiel im wilden Bergland des Westens von Texas -zu einem eigentlichen Land-Boom geführt aber sie stoßen auf Widerstand, nicht zuletzt aus Naturschutzkreisen. Der einzige Ausweg besteht also darin, Energie zu sparen - Amerikas größte Herausforderung, wie Gore sagt.
par Pancho Villa
publié dans :
Luzian Caspar

