"Savoir, c’est-à-dire prévoir pour agir." Henri Bergson |
Soziale Marktwirtschaft ist eine schlechte Idee!
Die Diagnose des Wirtschaftsnobelpreisträgers des Jahres 2006 ist eindeutig: Europa hat seine Werte verloren - und mit ihnen die ökonomische Dynamik. Nur durch eine Renaissance humanistischer Tugenden könne der Kontinent die Stagnation dauerhaft überwinden
EIN GESPRÄCH MIT EDMUND PHELPS
Vor sechs Monaten wurde Ihnen der Wirtschaftsnobelpreis verliehen. Wie hat die Auszeichnung Ihr Leben verändert?
Ich kann mich nicht beklagen. Der Nobelpreis stärkt das Selbstbewusstsein ungemein. Und er gibt mir die wunderbare Möglichkeit, meine Ideen mit sehr vielen Menschen zu diskutieren. Ich bin daher sehr glücklich, dass ich zuletzt an Themen gearbeitet habe, die nicht nur für Ökonomen,, sondern für die breitere Öffentlichkeit von Interesse sind.
Sie haben sich intensiv mit der unterschiedlichen Dynamik verschiedener Wirtschaftssysteme befasst. Wie beurteilen Sie Deutschlands aktuellen Aufschwung?
Zu einem großen Teil ist das ein zyklischer Aufschwung (nicht nur zyklich, wie steht es denn mit der Erschliessung neuer Maerkte in Osteuropa?) nach mehreren Jahren mit ungewöhnlich geringen Kapitalinvestitionen ( ist ja auch ganz normal...!). Ich bezweifle, dass er die dauerhafte Rückkehr zu höherer Prosperität ankündigt. Die bisherigen Reformen des Steuersystems und der sozialen Sicherungssysteme reichen jedenfalls nicht aus, um Deutschland zu einer wirklich dynamischen Wirtschaft zu machen.
Wieso nicht?
Das Grundproblem der kontinentaleuropäischen Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich und Italien ist ihr Mangel an ökonomischer Dynamik. Die Dynamik eines Landes wird nicht anhand der Wachstumsrate über einen kurzen oder mittleren Zeithorizont gemessen. Es geht dabei vielmehr um die Frage, wie fruchtbar ein Land ist, um innovative und profitable Ideen entstehen zu lassen, wie sehr es in der Lage ist, die Ideen mit den besten Erfolgsaussichten zu erkennen und zu fördern, und wie gut es darin ist, auf diese Weise entstandene neue Produkte und Methoden auszuprobieren und in der (...nationalen oder europaeischen?) Wirtschaft einzusetzen. Das Wirtschaftsmodell eines Landes besteht aus seinen Institutionen und den verschiedenen Elementen seiner Wirtschaftskultur. Und in beiden Dimensionen sieht es in Kontinentaleuropa nicht besonders gut für eine anhaltende Dynamik aus. (!)
Der - nach amerikanischen Standards - große Sozialstaat ist nicht das zentrale Problem der europäischen Volkswirtschaften?
Nein, das einzige Problem mit dem Sozialstaat ist, dass er all diese Anspruchsberechtigungen schafft. Im Ergebnis glauben einige Leute, dass sie nicht arbeiten müssen, weil sie alles, was sie brauchen, durch den Sozialstaat bekommen können. Aber ein Land kann einen großen Sozialstaat haben und dennoch eine starke ökonomische Dynamik entfesseln — wenn es Institutionen besitzt, die Innovationen befördern, und eine ökonomische Kultur, die nach Stimulation und Wettbewerb strebt.
Welche Institutionen behindern denn vor allem die ökonomische Dynamik in Deutschland, Frankreich und Italien?
Sie haben einen sehr segmentierten Finanzsektor, der Insider bevorteilt. Dann gibt es eine Vielzahl von Hindernissen für neue Unternehmer. Die Konsumenten sind auch nicht so sehr an neuen Produkten interessiert wie in anderen Ländern. Außerdem gibt es Gewerkschaften, die in Entscheidungen des Managements eingreifen können (das ist aber auch manchmal notwendig um ein GG. im 'gesellschaftlich gesehenen' Kraefteverhaeltnis erneut hestellen zu koennen, Manager sind gewiss nicht immer 'unfehlbar'...) und dazu noch einen unvorhersehbaren staatlichen Interventionismus. (...ja, das kann eine 'The downward Spiral' als Folge haben...) Auch der gesetzliche Kündigungsschutz und die oft schwerfällige Bürokratie behindern die wirtschaftliche Dynamik. (...!...)
Sie sind offenbar kein Freund des Konzepts der sozialen Marktwirtschaft?
Nein, das bin ich nicht. Der (nationale...?!) Korporatismus, den man (nicht nur...) in Deutschland „Soziale Marktwirtschaft" nennt, ist eine von zwei schlechten ökonomischen Ideen des 20. Jahrhunderts, die andere war der Kommunismus. Aber Deutschland ist frei zu entscheiden: Es kann den Korporatismus bewahren, neue Wettbewerber aus dem Markt halten, Innovationen aus den schnell wachsenden Volkswirtschaften nur kopieren und so auf den Boom der Pioniere verzichten. Oder es reiht sich in die Reihe der dynamischen Länder ein, indem es den Korporatismus durch einen vitalen Kapitalismus ersetzt.
Ein Land, das eine solche Richtungsentscheidung bald zu treffen hat, ist Frankreich. Was halten Sie von den Kandidaten Nicolas Sarkozy und Segolene Royal?
Das ist keine Wahlempfehlung, aber ich glaube jeder wachsame Historiker würde Sarkozy als einen Agenten des Wandels wahrnehmen. Er mag das verspielen, er mag auch große Schwächen haben. Aber wenn er überzeugend gewinnt, glaube ich, dass viele darin ein Zeichen für Frankreichs großes Bedürfnis nach Wandel sehen werden.
Und was ist mit Segolene Royal? Sie will ein gesetzliches Mindesteinkommen von 1500 Euro pro Monat und fordert (nicht nur Sie!...) ...die Europäische Zentralbank auf, weniger ausschließlich auf Preisstabilität, sondern auch auf Beschäftigung und Wachstum zu achten.
Ich bin von ihren Ideen enttäuscht. Anstatt einzugestehen, dass Frankreich mit seiner wohlfahrtsstaatlichen Politik am Ende der Fahnenstange angekommen ist, scheint sie zu dem Entschluss gekommen zu sein, dass das Land noch mehr von dem gleichen bekannten Rezept benötigt. Sie will die Intensität der sozialen Sicherung weiter erhöhen. Zum Beispiel durch Aufhebung eines Gesetzes, das kleinen Betrieben Einstellungen und Entlassungen ohne große Einschränkungen ermöglicht. Segolene Royal ist bestimmt keine Agentin des Wandels.
Inwieweit erklären kulturelle Faktoren den Mangel an Dynamik in Kontinentaleuropa im Vergleich zu den USA?
Über eine lange Zeit hinweg hat ja ein relativ großer Teil der Europäer die klassischen humanistischen Werte hochgehalten, wie sie Aristoteles in der Antike, der Bildhauer Cellini in der Renaissance und der Philosoph Voltaire im Zeitalter der Aufklärung verkörpert und verbreitet haben. Es gab eine Zeit in Europa, in der die Bevölkerung neue Herausforderungen willkommen hieß und sich begeisterte für Wettbewerb, Problemlösung, Entdeckung von Talent, Forschung. Das hielt bis zum Ersten Weltkrieg an. Zu der Zeit feierte der französische Philosoph Henri Bergson immer noch den freien Willen und betonte, dass wir uns alle ständig weiterentwickeln sollten. Im College habe ich sein Buch „Die schöpferische Entwicklung" gelesen. Es hat immer einen großen Eindruck auf mich gemacht.
Wieso hat diese Geisteshaltung danach an Bedeutung verloren?
Es gab eine intellektuelle Gegenbewegung zur Aufklärung des 18.Jahrhunderts. Antikapitalistische Ideen drängten in den Vordergrund, welche die Steuerung durch den Staat als den besseren Weg ansahen, um die Wirtschaft und den wissenschaftlichen Fortschritt zu organisieren. Diese, von einem amerikanischen Standpunkt aus betrachtet, exotischen Ideen wurden im 19. Jahrhundert in Europa immer wichtiger und in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schließlich sehr einflussreich. So haben in Europa der Kapitalismus und die Werte, die wir damit verbinden, an Bedeutung verloren.
Mit welchem Ergebnis?
Die ökonomischen Institutionen in Europa bereiten Unternehmern viel mehr Schwierigkeiten, als es in den USA der Fall ist. Daher gibt es in Europa weniger Start-ups, und ein geringerer Teil der Wirtschaftsaktivität spielt sich (nicht nur...) in innovativen Firmen ab. Damit sind in Europa aber auch viele Jobs nicht so herausfordernd und stimulierend wie in den USA. Und wenn es nicht viel Wandel und Neuheit am Arbeitsplatz gibt, dann gibt es auch keine Notwendigkeit, den Beschäftigten viel Entscheidungskompetenz zu geben. Damit verlieren die Leute natürlich auch das Interesse, Initiative im Job zu entwickeln. Das ist ein Teufelskreis.
Welche Lektion sollte Europa daraus lernen?
Auf der einen Seite müssen die Institutionen so verbessert werden, dass Innovationen leichter möglich werden. Auf der anderen Seite muss die Bevölkerung aber auch wieder an jene Werte herangeführt werden, die das intellektuelle Denken in der Zeit der klassischen Antike, im Barock und in der Aufklärung dominiert haben.
In den vergangenen Monaten hat die wachsende Sorge der Mittelschicht, der Verlierer der Globalisierung zu sein, viel Aufmerksamkeit erregt, auch in den USA. Einige Ökonomen fordern bereits stärkere Mechanismen der sozialen Sicherung und Umverteilung, um eine neue Ära des Protektionismus zu verhindern.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Umverteilung von Geld an die Mittelschicht wirklich besser als Protektionismus ist. In den westlichen Marktwirtschaften hat die Mittelschicht seit 1950 einen phänomenalen Einkommenszuwachs erlebt. Jetzt, in den letzten fünf oder zehn Jahren, ist ihr relativer Anteil am Wohlstand vielleicht etwas gesunken. Es gehört aber zu einer dynamischen Wirtschaft, dass es immer wieder Gewinner und Verlierer gibt. (Die Piketty-Saez Studie besagt genau das Gegenteil...was die Staaten angeht...) Wieso sollte es für die Mittelschicht eine Garantie geben, dass sie einen festen Anteil des Volkseinkommens erhält? Ich bin mir auch nicht sicher, dass dieses Phänomen wirklich so viel mit der Globalisierung zu tun hat.(????????????) Der technische Fortschritt ist wohl der wichtigere Faktor. Bei einem Meeting in New York erzählte jemand kürzlich, dass die Investmentbank Lehmann Brothers jetzt nur noch 700 Mitarbeiter für die Arbeit braucht, die vor einigen Jahren noch von 5000 Mitarbeitern erledigt wurde.
Sie propagieren seit Jahren den Kombilohn für Geringqualifizierte. In Deutschland wird derzeit vor allem die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns diskutiert. Kombilöhne hingegen wurden bisher nur in Testregionen und beschränkt auf bestimmte Altersgruppen eingeführt.
Immerhin hat Ministerpräsident Christian Wulff in Niedersachsen den Kombilohn eingeführt. Ich hoffe sehr, dass dieses Modell erfolgreich ist und Lohnsubventionen in ganz Deutschland zur Anwendung kommen. Ich bin aber kein Freund eines gesetzlichen Mindestlohns. (P.-V. auch nicht, aber nur solange es 'intern' noch solch enorme 'Diskrepanzen'? gibt) Wenn man damit die offizielle Beschäftigung zu sehr geringen Löhnen zurückdrängt, dann wird genau das Gegenteil von dem erreicht, was nötig wäre. Denn es wird auch danach noch Jobs mit Löhnen unter dem gesetzlichen Minimum geben. Dann allerdings als Schwarzarbeit.
Die Gewerkschaften fürchten, dass Kombilöhne den Arbeitgebern einen Anreiz verschaffen, noch geringere Löhne zu zahlen.
Die Gefahr gewisser Mitnahmeeffekte besteht sicherlich. Aber ein Kombilohnmodell kann so abgestuft gestaltet werden, dass sich diese Anreize in Grenzen halten.
Würde die flächendeckende Einführung staatlicher Lohnsubventionen nicht sehr teuer?
Ich schätze, dass sie rund ein Prozent des Bruttoinlands-produkts (BIP) kosten würde. Aber das Ziel, mehr Beschäftigung für Geringqualifizierte zu anständigen Bedingungen zu erreichen, ist für mich von absolut grundlegender Bedeutung. Die Frage, ob es ein halbes Prozent des Sozialprodukts oder ein Prozent oder auch anderthalb Prozent kosten würde, sollte da keine große Rolle spielen. Es geht um die grundsätzliche Balance der Gesellschaft, darum, dass Menschen nicht von der aktiven Teilnahme in der Arbeitswelt ausgeschlossen werden.
Sie haben einmal gesagt, mit Lohnsubventionen solle nicht primär das Wirtschaftswachstum angekurbelt, sondern die Gerechtigkeit erhöht werden. Was ist Ihr Begriff von sozialer Gerechtigkeit?
Ich glaube, das Ausmaß ökonomischer Gerechtigkeit wird vor allem durch die Entlohnung der Arbeit bestimmt. Die Löhne nur daran auszurichten, wie hoch die Produktivität der Gruppe von Arbeitskräften ist, zu der jemand gehört, ist aus moralischer Sicht eine willkürliche Festsetzung. Denn die Produktivität jedes einzelnen Teilnehmers am Wirtschaftsprozess wird dadurch gesteigert, dass andere auch ihre Talente und ihren Arbeitseinsatz beitragen. Das bedeutet: Der Beitrag der gering bezahlten Arbeitskräfte zum BIP ist insgesamt höher als nur ihr Lohn multipliziert mit der Anzahl der Arbeiter. Denn es entsteht das, was Ökonomen als Produzentenrente bezeichnen: Aufgrund des Beitrags der Niedriglohnarbeitnehmer sind die Gehälter anderer Arbeitnehmer und die Renditen der Kapitaleigentümer höher, als sie es sonst sein könnten. Denn besser qualifizierte Arbeitskraft kann dank des Beitrags der Geringbezahlten für profitablere Tätigkeiten eingesetzt werden. Dadurch steigt der soziale Wohlfahrtsüberschuss.
Was folgt aus diesen Überlegungen?
Aus Gründen der Gerechtigkeit hat John Rawls überzeugend argumentiert, dass ein Teil dieses Überschusses vor allem an die am meisten benachteiligte Gruppe der Erwerbsgesellschaft umverteilt werden sollte, an die Niedriglohnarbeitnehmer. Das bedeutet aber nicht, dass andere Schichten der Arbeitsbevölkerung weniger bekommen sollten als das, was sie alleine erwirtschaften könnten. Nur sollten sie einen Teil des Überschusses, der ihnen heute auch aufgrund des Beitrags der Niedriglohnarbeit zufällt, wieder abgeben. Ohne einen entsprechenden Verteilungsmechanismus über Kombllöhne wird es bei gering qualifizierten Menschen einen Rückzug aus der Arbeitsweh, hohe Arbeitslosigkeit und die bekannten negativen sozialen Konsequenzen geben.
Nachdem Sie im Studium noch stark von philosophischen Fragen fasziniert waren, haben Sie in Ihrer langen wissenschaftlichen Karriere vor allem an makroökonomischen und sehr modelltheoretischen Fragestellungen gearbeitet, bevor Sie in den vergangenen Jahren zu einem breiteren Ansatz zurückgekehrt sind. Glauben Sie. dass, die Volkswirtschaftslehre ohne diesen breiteren Ansatz an der Realität scheitern könnte, weil sie zwar von mathematischer Eleganz, aber von praktischer Irrelevanz geprägt ist?
Ich habe festgestellt, dass Ökonomen als Akademiker furchtbar viel Zeit darauf verwenden, komplizierte Sachverhalte möglichst klar darzustellen. Und es ist eine harte Plackerei, diese Klarheit und Präzision zu erreichen. Aber auf der anderen Seite stimme ich Ihnen zu, dass die Profession in den vergangenen Jahrzehnten dazu tendiert, mehr und mehr Leute anzusprechen, die ihrem Wesen nach eher Statistiker und Mathematiker oder Ingenieure sind. Aber die Probleme der Gesellschaft sind oft institutioneller Natur, sie haben mit der Art und Weise zu tun, wie Menschen interagieren. Ökonomen sind leider bisher nicht sehr kreativ oder kritisch gewesen, wenn es um die Frage ging, was ein Wirtschaftsmodell zu einem guten Wirtschaftsmodeil macht. Sie scheinen zu glauben, dass sie diese Frage den Philosophen überlassen können.
Können sie die Frage den Philosophen überlassen?
Nein, mit Sicherheit nicht. Nehmen Sie John Rawls. Er hatte als Philosoph ein besseres Gespür für die ökonomischen Implikationen seines berühmten Werkes „Theorie der Gerechtigkeit" als einige Ökonomen. Aber selbst Rawls hatte ein sehr begrenztes Konzept der Ökonomie. Ein Beispiel: Rawls spricht von Selbst Verwirklichung als der Möglichkeit, seine Fähigkeiten in dem, was man im Leben tut, zu verwirklichen, seine Talente zu entdecken und wciterzuentwickeln. Aber dann diskutiert er jene Fähigkeiten, die man als Elternteil oder als Ehepartner braucht und entwickelt. Rawls kommt gar nicht auf die Idee, dass die intellektuelle Entwicklung einer Person und das Gefühl der Erfüllung im Leben hauptsächlich von der Erfahrung am Arbeitsplatz abhängen könnten. Die Aufgabe, sich mit der Frage „Was ist eine gute Wirtschaft?" auseinanderzusetzen, kann man nicht einfach den Philosophen überlassen. Daran müssen sich auch die Ökonomen beteiligen.
Wie beurteilen Sie die ökonomische Situation in den USA mit dem doppelten Defizit in Handelsbilanz und Haushalt: Ist es noch eine Frage, ob es einen Dollar-Crash geben wird, oder nur noch, wann dieser Crash stattfinden wird?
Niemand kann wissen, ob es für die Regierung der USA möglich sein wird, von dem gegenwärtigen Haushaltsdefizit in ein paar Jahren zu Budgetüberschüssen zu steuern, ohne dass es vorher eine Vertrauenskrise und einen Run (???) auf den Dollar gibt. Ich denke, es wäre gut, wenn die Demokraten die Steuersenkungen des Präsidenten nicht erneuern würden. Wir müssen dieses Haushaltsdefizit einfach los werden. Das ist der erste Schritt. Schritt Nummer zwei: Übergehen zu langfristigen Haushalts Überschüssen, denn in den nächsten Jahrzehnten kommt ein riesiger Überhang an Pensionsverpflichtungen auf.
Ökonomen behaupten angesichts wirtschaftspolitischer Herausforderungen oft, dass vom wissenschaftlichen Standpunkt her alles klar und eindeutig sei und dass nur die Fallstricke des politischen Prozesses zu unvollkommenen Lösungen führten.
Ich glaube nicht, dass die meisten Ökonomen diese Meinung vertreten. Viele Probleme sind einfach wirklich schwierig zu beurteilen. Ein Beispiel: Die Angebots Ökonomen in den USA sagen, dass wir die Haushaltsdefizit beibehalten sollten. Sie argumentieren, dass die Verschuldung dazu dient, die Produktivität und damit die Wirtschaft insgesamt schneller wachsen zu lassen. Sie glauben, wir könnten den Überhang der Pensionsverpflichtungen durch Wachstum los werden. Ihrer Meinung nach wäre das Umsteuern auf Budget Überschüsse daher das Schlechteste, was wir tun könnten
Vom nächsten Jahr an werden Sie eine zusatzliche Aufgabe haben. Als Nobelpreisträger werden Sie von Jahr zu Jahr gefragt, wer Ihnen nachfolgen soll. Haben Sie schon Favoriten?
Aber ja, .sicherlich. Richard Nelson and Sidney Winter haben sehr grundlegende Arbeiten auf dem Gebiet der Industrieökonomik unter Bedingungen radikaler Unsicherheit vorgelegt und dadurch die Industneökonomik zu einem Großteil neu geschrieben. Es wäre schön, ihre Arbeit gewürdigt zu sehen. Im Bereich der Neuen Keynesiamschen Makroökonomik haben John Taylor und Guillermo Calvo, mit denen ich in den achtziger Jahren viel zusammengearbeitet hahe, noch nicht die Anerkennung erhalten, die ihnen gebührt.
Hätten Sie Ihren Nobelpreis gerne mit einem dieser Kollegen geteilt?
Auf der einen Seite bin ich schon ein bisschen traurig, dass Nelson, Winter, Calvo oder Taylor diese Auszeichnung nicht mit mir teilen konnten. Auf der anderen Seite ist es aber auch wunderschön und inspirierend, den ganzen Preis alleine erhalten zu haben. Ich schätze die Anerkennung, die darin zum Ausdruck kommt, sehr.
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