„Latinos" sollen mit massiven Kampagnen zum Konsum angeworben werden
Hola cliente!
VON LUZIAN CASPAR Der hispanische Markt wird für die US-Unternehmen immer interessanter. Denn die "Latinos" - Einwanderer aus Lateinamerika - sind mit Abstand die grösste Minderheit und die Konsumenten der Zukunft. Der dickste Bund in den vier spanischsprachigen Zeitungen, die in Washington erscheinen, ist der Auto-Teil. Wer sich über die neuesten Automodelle informieren will, die in Europa oder Japan lanciert werden, ist mit den spanischen Zeitungen besser bedient als mit jedem anderen Blatt. Und die Inserate - meist in Farbe - füllen ganze Seiten. Praktisch alle Autos, die zum Verkauf stehen, sind abgebildet - das ganze sieht aus wie ein Fotoroman. Und garniert sind die Inserate von „Mama-citas" - sexy Girls in Bikinis. „Nimm mich mit auf eine Spritztour", lockt eines der Girls.
Wie US-Unternehmen Immobilien oder Autos an oftmals illegale Einwanderer verkaufen
Die großen Autohändler rund um den „Beltway" (Washington's Ringautobahn) verfugen alle über spanisch sprechende Verkäuferteams, und in den Vorortsquartieren, wo die Einwanderer leben, sind Filialen eingerichtet worden, die vor allem Sonderangebote verkaufen wollen. Dabei sind Käufer, die wenig oder gar keine Ersparnisse haben, ausdrücklich willkommen.
"Kein Kredit, schlechter Kredit oder bankrott? Spielt keine Rolle", heißt es in Kreide geschrieben auf den Schaufenstern des Autohändlers Bill Page in Falls Church, einem Vorort von Washington, wo salvadorianische Restaurants, libanesische Metzger und vietnamesische Spezereiläden sich zu dutzenden aneinanderreihen. Denn mit den Abzahlungskrediten, die man den Käufern offeriert, lässt sich oft mehr Geld verdienen als mit den Autos selbst. Viele Händler machen auch klar, dass Käufer, ddie nur eine „Tax ID" haben - also Einwanderer ohne ausreichende Papiere - willkommen seien.
Der Traum jedes Einwanderers aus Mexiko oder Zentralamerika ist ein „Truck" (Kleinlaster) und ein kleines Häuschen, vor dem er sein chromglitzerndes Zugpferd parkieren kann. Denn die Einwanderer sind potenziell patriotischer als alle übrigen Bürger, und der „amerikanische Traum" ist für sie kein Mythos, sondern konkretes Ziel. Dies machen sich die Geschäftsleute zunutze, denn obwohl sie kaum Ersparnisse und meist nur ein schmales Einkommen haben, sind die „Latinos" ein lukrativer Markt.
Neben dem Autogeschäft gilt dies vor allem für den Immobilienmarkt. „Deine Familie verdient es, ihr eigenes Heim zu haben", heißt es in einem Inserat in der Immobilienbeilage des „Tiempo Latino". Und der redaktionelle Teil ist voll von Artikeln, die zeigen, wie glücklich Hausbesitzer sind, und wie man sein Haus schöner möblieren kann. Auch hier lockt man die marginalen Käufer: "100 Prozent Finanzierung! Auch mit schlechtem Kredit! Selbst Bankrott ist kein Problem!" In jüngster Zeit preisen freilich die meisten Inserate so genannte "short sales" an - Verkauf von Häusern, deren Besitzer die Hypothekarzinsen nicht mehr bezahlen können, zu Preisen, die tiefer liegen als der Wert der Hypothek.
Latinos machen einen guten Teil der Käuferschaft aus, die während des Immobilienbooms so genannte „subprime'-Hypotheken aufgenommen hatten und jetzt in Verzug geraten sind. Denn der amerikanische Traum wurde aggressiv vermarktet. "Verlier nicht länger Geld mit Miete zahlen!", heißt es dazu in einem typischen Inserat.

