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Luzian Caspar

Mardi 28 juin 2005 2 28 /06 /2005 00:00


Hat die Welt zu viel Kapital?

 


Ökonomen und Politiker fordern immer wieder dazu auf, "die Steuern zu senken und Rigiditäten" zu beseitigen, damit mehr "gespart" und investiert werden könne. Aber in Wirklichkeit herrscht offenbar bereits heute ein Überschuss an "Sparkapital".

 


"...Alan Greenspan, der Vorsitzende der Federal Reserve, steht vor einem "Rätsel": Das Verhalten der langfristigen Zinssätze sei ein "conundrum", sagte er vor ein paar Wochen vor dem Kongress. Denn obwohl die Zentralbank die kurzfristigen Zinsen seit dem letzten Sommer achtmal erhöht hat, sind die langfristigen Zinsen - die für die Geldbeschaffung der Wirtschaft wichtiger sind - nicht gestiegen, sondern gefallen. Die Rendite der zehnjährigen US-Schatzpapiere liegt heute unter vier Prozent..."


So etwas habe es "noch nie gegeben", sagte Greenspan vor dem Kongress. Denn normalerweise steigen die Zinsen nach einer solchen Kampagne immer an. Das Verhalten der langfristigen Zinssätze sei das "größte Paradox", das die Weltwirtschaft gegenwärtig kenne, meint Alan Murray, ein Kolumnist des "Wall Street Journal".


Und Roger Altman, die ehemalige Nummer zwei im Schatzamt unter Clinton, meint, er könne sich „nicht erinnern, dass die Lehrmeinung der Ökonomen je in einer derart zentralen Frage so mit der Realität kollidiert hat".


Greenspan selber hat seither mehrmals versucht, dem Ursprung des "Rätsels" auf die Spur zu kommen. Zuerst ortete er den Grund des Phänomens - hauptsächlich - in den Schatzpapierkäufen der ausländischen Zentralbanken. Seit Ende 2001 haben die ausländischen Zentralbanken 43 Prozent der kumulativen US-Ertragsbilanzdefizite finanziert.


Vor allem China und Japan kaufen US-Schatzpapiere in rauen Mengen - trotz des Risikos von Kapitalverlusten, wenn der Dollar sich abwerten sollte. Als Resultat hat sich die Nettoverschuldung der USA seit 1999 fast verdreifacht (von 1,4 auf 3,7 Billionen Dollar). Aber dies ist nicht die ganze Antwort. Denn erstens scheinen sich die Käufe der Zentralbanken in jüngster Zeit verflacht zu haben - die Chinesen kauften bereits letztes Jahr weniger US-Schatzpapiere als im Jahr zuvor -, und zweitens ist das Phänomen der tiefen Zinssätze nicht auf die USA beschränkt.


Der Trend sei weltweit, strich Greenspan bei einem seiner jüngsten Auftritte hervor. In Deutschland beträgt die Rendite der Staatsanleihen heute 3,3 Prozent, in Japan 1,3 Prozent. Die Realzinsen - also das, was nach der Teuerung übrig bleibt -betragen heute weltweit weniger als zwei Prozent


Deshalb die These vom "weltweiten Sparüberschuss". Der erste, der die These formulierte, war Ben Bernanke, ein Fed-Gouverneur, der von Präsident Bush als Chef des Rats der Wirtschaftsberater nominiert worden ist und als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge Greenspans gilt. Der riesige Anstieg des US-Ertragsbilanzdefizits (auf eine Jahresrate von inzwischen 780 Mrd. Dollar oder 6,4 Prozent des Sozialprodukts) sei nicht das Resultat der mangelnden Wirtschaftsleistung der Amerikaner, sagte Bernanke in einer Rede am 10. März, die er selber als "zugegebenermaßen unkonventionell" bezeichnete, sondern eines "Sparüberschusses" im Ausland (www.federalreserve.gov/boarddocs/speeches). Das Problem sei nicht, dass die Amerikaner zu wenig sparen und investieren würden, sondern dass die Ausländer - in erster Linie die Asiaten - zu gerne bereit seien, den USA Geld zu leihen. Denn nach der Währungskrise von 1997/98 hätten die asiatischen Länder begonnen, riesige Währungspolster anzulegen; sie hätten sich bei ihren eigenen Bürgern verschuldet und den Erlös in den USA angelegt. Eine zweite Quelle überschüssigen Sparkapitals sei die Ölpreishausse, die die Staatskassen Russlands und der arabischen Länder aufgefüllt habe.


"Im Wesentlichen leihen die relativ armen Bürger Chinas und anderer asiatischer Schwellenländer ihr Geld den USA, wo es im Immobiliensektor angelegt wird", fasst Glenn Hubbard, der ehemalige Wirtschaftsberater von Präsident Bush, die Situation zusammen.


Amerika habe praktisch gar keine andere Wahl, als die Gelder zu akzeptieren. Die Asiaten würden einfach zu viel sparen. Tatsächlich sind die Sparraten in China und anderen asiatischen Ländern sehr hoch. Die chinesischen Haushalte legen im Durchschitt 44 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante. In Korea sind es 32 Prozent. Über eine Billion Dollar an Spargeldern haben die chinesischen Bürger angehäuft. In Japan, bei weitem die wichtigste Sparnation der Welt, ist die Sparrate in den letzten zehn Jahren von 18 Prozent auf weniger als sechs Prozent gefallen. Die Japaner sparen heute weniger als die Deutschen und Franzosen (die vermutlich ebenfalls immer weniger sparen). Und die Amerikaner sparen bekanntlich praktisch gar nichts (durchschnittliche Sparrate 1,1 Prozent).


Es ist also vielleicht nicht ganz richtig zu sagen, die Welt leide an einem "Überfluss an Sparkapital". Was im Überfluss vorhanden ist - vielleicht sogar in China - sind vermutlich nicht die Spargelder der Durchschnittsbürger, sondern das Überschuss-Kapital der Unternehmen und Großkapitalisten.


Die Vermögen der Superreichen (Privatpersonen mit einem Vermögen von mehr als 30 Mio. Dollar) sind im Jahr 2003 allein in Nordamerika von 2,1 Billionen auf drei Billionen Dollar gestiegen, wie aus einer Studie von Capgemini und Merrill Lynch hervorgeht.

 

 

 

 

Par Pancho Villa - Publié dans : Luzian Caspar
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Mardi 19 juillet 2005 2 19 /07 /2005 00:00



VON LUZIAN CASPAR

 


 
Die Ratifikation des Zentralamerikanischen Freihandelsabkommens (CAFTA) im Kongress bringt die Bush-Administration mehr ins Schwitzen als erwartet. Wenn Politiker diese Woche in Washington ankommen, fliegen sie direkt in einen der turbulentesten Parlaments-Stürme, den die USA in jüngerer Zeit erlebt haben. Denn der Kampf um die Ratifizierung des Zentralamerikanischen Freihandelsabkommens „CAFTA" (Central American Free Trade Agreement) hat sich zum Hitchcock-Drama entwickelt.

Der Senat hat zwar das Abkommen vor zwei Wochen mit 54 zu 45 Stimmen verabschiedet, aber im Repräsentantenhaus, wo Handelsabkommen traditionell einen schwereren Stand haben, steht die Entscheidung immer noch aus. Die Mehrheit der Abgeordneten ist immer noch gegen ein Freihandelsabkommen mit Zentralamerika, und die republikanische Fraktionsführung hat die Abstimmung, die ursprünglich Ende Mai hätte erfolgen sollen, hinauszögern müssen. Ende Juni hatte Präsident Bush den Nationalfeiertag vom 4. Juli als letzten Termin genannt, aber jetzt dürfte sich die Abstimmung bis nächste Woche hinauszögern, kurz bevor der Kongress in die Sommerferien geht.

 



Angst vor Freihandelszone


Warum fürchten sich die amerikanischen Politiker vor dem Freihandel mit Zentralamerika? Die Antwort liegt nicht auf der Hand. Denn eigentlich können die USA von einem Abkommen mit den sechs kleinen Republiken nur profitieren. (Das Abkommen umfasste ursprünglich Guatemala,  Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica. Später wurde es auf die Dominikanische Republik ausgedehnt). Über 70 Prozent der zentralamerikanischen Exporte in die USA sind bereits heute zollfrei, während die US-Exporte in diese Länder noch mit Zöllen belegt sind. Und zudem würden die US-Konzerne und -Investoren von Bestimmungen in dem Abkommen profitieren, die den Patent- und Investorenschutz massiv ausbauen würden. Die negativen Konsequenzen des Abkommens für die USA werden also "minimal" sein, wie es in einem US--Kongressdokument heißt. Dass ein Freihandelsabkommen mit diesen Ländern für die USA irgendeine Bedrohung darstellen soll, ist schwer einzusehen, denn zusammengenommen beträgt das Sozialprodukt der sechs Republiken gerademal soviel wie jenes Tschechiens.


Dennoch ist die Opposition im Repräsentantenhaus massiv. Die Demokraten, die traditionell fast immer für den Freihandel waren, sind praktisch geschlossen dagegen; nur vier oder fünf Demokraten haben sich bisher für CAFTA ausgesprochen. Und bei den Republikanern gibt es ebenfalls viel mehr Abtrünnige als dem Weißen Haus lieb ist. Nicht nur die Zuckerrübenindustrie ist gegen das Abkommen, sondern auch in den Textilgebieten und anderen Industrie-Wahlbezirken ist der Widerstand stark. In den Textilindustrie-Staaten Nordkarolina und Südkarolina zum Beispiel hat sich bis jetzt erst ein einziger republikanischer Abgeordneter für CAFTA ausgesprochen. Aus diesem Grund reiste Präsident Bush übers Wochenende nach Nordkarolina.

 



Textilindustrie gespalten


Die Textilindustrie selbst ist zwar gespalten; ein Teil der Branche ist zuversichtlich, von CAFTA zu profitieren. Aber die Wähler sind in der großen Mehrzahl dagegen. Denn sie erinnern sich an das vor elf Jahren ausgehandelte Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA (North American Free Trade Agreement), das für den Verlust von hunderttausenden gutbezahlter US-Industriearbeitsplätze verantwortlich gemacht wird.


NAFTA habe weder den USA etwas gebracht noch Kanada oder Mexiko, glauben viele Wähler. Das von Präsident Clinton durchgeboxte Abkommen habe sowohl in den USA als auch in Mexiko Arbeitsplätze vernichtet und den Lebensstandard verschlechtert, sind sie überzeugt.


Profitiert hätten nur die großen Konzerne, die Banken und deren Aktionäre. CAFTA wolle jetzt die gleichen Prinzipien - zum Beispiel das Recht der Konzerne, gegen unliebsame Gesetze vor speziellen NAFTA-Gerichten Rekurs einzureichen - auf Zentralausdehnen. Die Kongressabgeordneten befürchten deshalb, von ihren Wählern zur Rechenschaft gezogen zu werden, wenn sie für CAFTA stimmen. Sogar republikanische Politiker fürchten sich vor dem Zorn der Wähler. „Ich möchte ja gerne für CAFTA stimmen", meinte der republikanische Abgeordnete Bob Inglis aus Südkarolina letzte Woche. Aber er könne dies nur riskieren, wenn er dafür Konzessionen kriege, die sich für seine Wähler direkt auszahlen würden.
Das Weiße Haus ist denn auch rund um die Uhr damit beschäftigt, parlamentarische "Deals" abzuschließen, um einzelne Abgeordnete - hauptsächlich Republikaner - für das Abkommen zu gewinnen.


Am Freitag zürn Beispiel schloss Bill Thomas, der Vorsitzende des Budgetausschusses, der die CAFTA-Kampagne im Repräsentantenhaus leitet, einen Pakt mit Phil English, einem Abgeordneten aus Pennsylvania, der den "steel caucus" anführt, also die Gruppe der Abgeordneten, die die Interessen der Stahlindustrie vertritt. Englisch erklärte sich einverstanden, für CAFTA zu stimmen, nachdem Thomas versprochen hatte, ein Gesetz einzubringen, das es der US-Stahlindustrie erlauben würde, gegen chinesische Stahlexporte eine neue Form von "Dümping"-Klagen zu lancieren. Mit diesem Pakt habe man sich vermutlich fünf oder sechs zusätzliche Stimmen gesichert, glaubt Thomas.


Das Weiße Haus ist jetzt nur noch wenige Stimmen vom Ziel entfernt, die Abstimmung im Repräsentantenhaus zu gewinnen. Die Absicht sei, die Abstimmung mit einer Stimme Mehrheit zu gewinnen, glauben Experten in Washington. Sobald die nötigen Stimmen beisammen seien, werde man die Abstimmung anberaumen.

 

 

 

 

 

 

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Mercredi 28 décembre 2005 3 28 /12 /2005 21:35


New Orleans und die Benzinpreis-Hausse


Der Aufstieg Asiens zur Wirtschaftsmacht dürfte auch nächstes Jahr für Diskussionen sorgen

VON LUZIAN CASPAR (WASHINGTON)





Die Weltwirtschaft brachte im abgelaufenen Jahr viel Wachstum, sprudelnde Gewinne, boomende Börsen und einiges, was man nicht erwartet hatte. Aber die größten Überraschungen waren jene, die nicht eintrafen.

Was waren die großen Wirtschafts-Stories des Jahres aus Sicht der Amerikaner? Die größte Story des Jahres, und jene, die vermutlich die meisten Menschen schockierte, nicht nur in den USA, sondern weltweit, war nicht die Tsunami-Katastrophe - die kurz vor Neujahr passierte - und auch kein Terroranschlag, trotz der Bombenanschläge in London, sondern Katrina bzw. die Flutkatastrophe von New Orleans. Zumindest die Amerikaner waren tief erschüttert, als sie am Fernseher zusehen mussten, wie Mitbürger in New Orleans vom Staat im Stich gelassen und den Naturgewalten geopfert wurden. Und der Benzinpreisanstieg nach der Katastrophe war für die Amerikaner der größte Schock des Jahres Nur die Tatsache, dass sich der Preis kurz danach wieder normalisierte, rettete die Konsumentenzuversicht.

Doch die Normalisierung war nur relativ. Der internationale Rohöl-Preis liegt nach wie vor bei knapp 60 Dollar pro Fass und scheint nicht darunter zu sinken, trotz maximaler Anstrengungen der Opec und dem Ausbleiben von Terroranschlägen. Verglichen mit 2004 war der Ölpreis im Jahr 2005 mindestens 50 Prozent höher. Die Projektionen der Opec und der Ölkonzerne, die für die kommenden Jahre mit einem Preis von maximal 40 oder 45 Dollar gerechnet hatten, sind zur Makulatur geworden.

Natürlich ist es denkbar, dass die Nachfrage aus China und Indien zurückgehen könnte, wenn der dortige Wirtschaftsboom zusammenbrechen sollte, aber dies ändert nichts daran, dass die Erdöl-Produktionskapazität ihren Höhepunkt erreicht zu haben scheint und in den kommenden Jahren immer schneller sinken dürfte (so genannte „peak oil-Theorie). Die Erdöl-Wirtschaft scheint in ein qualitativ neues Stadium eingetreten zu sein, ähnlich wie - davon nicht ganz unabhängig - die Häufigkeit und Intensität der Orkane.

Die Ölpreishausse war für die Experten keine Überraschung, (überraschend war für viele nur, dass sie keine gravierenderen Folgen hatte). Denn sie ist in erster Linie eine Folge des Wirtschaftsbooms in Asien. Der Boom in China - Wachstumsraten von neun und mehr Prozent (offiziell) - setzte sich fort, und Indien und andere Länder zogen nach.

Der Aufstieg Asiens ist das beherrschende Wirtschaftsthema der heutigen Zeit - Asien sei im Begriff, dem Westen die weltpolitische Führungsrolle abzunehmen, meint Martin Wolf, der einflussreiche Kolumnist der „Financial Times". Es ist nicht überraschend, dass sich an diesem Trend im abgelaufenen Jahr nichts änderte. Einen Vorgeschmack von der kommenden Rolle Asiens gaben die Übernahme des PC-Geschäfts von IBM durch den chinesischen PC-Hersteller Lenovo im Dezember vor einem Jahr und die - am Schluss vom US-Kongress blockierte - Übernahme des US-Öl-konzerns Unocal durch den chinesischen Ölkonzern CNOOC. Das kommende Jahr dürfte Asien auch bezüglich Finanztransaktionen - Fusionen, „buy-outs" etc. - zu einem Schwerpunkt machen.

Der unersättliche Appetit Asiens war auch der Grund für die Rohwaren-Hausse, die sich im abgelaufenen Jahr unverändert fortsetzte. Kupfer erreichte vor kurzem neue Allzeit-Höchst-kurse, und der Goldpreis schnellte über die Grenze von 500 Dollar pro Unze.

Damit setzte sich ein anderer Megatrend fort: die Verschiebung des Volksvermögens von den arbeitenden Massen auf die Unternehmen und Aktionäre. Der Anteil der Unternehmensgewinne am Sozialprodukt erreichte historische Höchstwerte, zumindest in den USA, während mehr und mehr Arbeiter und Angestellte ihre Jobs an ausländische Billigkonkurrenz verloren. Und die Spekulation an den internationalen Finanzmärkten - eine direkte Folge des weltweiten Überschusses an „Spar"-Kapital - erreichte nie gekannte Dimensionen.

Etwas, was ausblieb, war der Kollaps des Dollars, obwohl er von allen Experten bereits seit Jahren vorausgesagt wird. Im Gegenteil, der Dollar gewann leicht an Wert. Der Hauptgrund dafür waren die steigenden US-Zinssätze; die gegenwärtige Geldpolitik der Federal Reserve kommt einem Versprechen an die Investoren gleich, Anlagen im US-Dollar kurz- und mittelfristig attraktiv zu machen. Die Käufe amerikanischer Schatzpapiere durch ausländische Zentralbanken und Regierungen gingen zwar 2005 zurück, aber dies wurde mehr als aufgewogen durch steigende Wertpapierkäufe ausländischer Privatinvestoren.

Die riesigen Petrodollar-Gewinne Arabiens, Russlands und Venezuelas wurden zu einem guten Teil in den USA angelegt, und dies hielt die US-Immobilien-blase am Leben und verhinderte einen Kollaps des Dollars. Solange es keine gemeinsame Währung in Asien gibt, sind die Alternativen zum Dollar wenig überzeugend.

Doch die Ungleichgewichte unter den Zahlungsbilanzen, vor denen die Experten schon seit Jahren warnen, werden dadurch immer bedrohlicher. Auf die Dauer kann die Schieflage nicht fortbestehen, wie Wolf in seiner jüngsten Kolumne warnt (Financial Times vom 20. Dezember). Die Zukunft der US-Schuldenmaschine sei die große Frage des kommenden Jahres.


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Vendredi 28 avril 2006 5 28 /04 /2006 20:03
US-Konzerne verteidigen ihre Profite

Exxon mit 36 Milliarden Dollar Reingewinn/Jahressalär vom Vorstandschef bei 69,7 Millionen Dollar
(das geht ja noch...)

VON LUZIAN CASPAR
(WASHINGTON)


Die exorbitanten Gewinne, die die US-Ölkonzerne dank der ölpreis-Hausse erzielen, haben in den USA zu einer Kontroverse geführt. Aber die ölkonzerne verteidigen sich mit einer teuren Public-Relations-Kampagne. Geld genug haben sie dafür.
„Wenn ExxonMobil finanziell erfolgreich ist, dann ist dies gut für die über 2,5 Millionen Amerikaner, die Exxon-Aktien direkt besitzen, und für die zusätzlichen Millionen, die über ihre Pensionskassen usw. indirekt beteiligt sind", heißt es in einem ganzseitigen Inserat, das ExxonMobil zwei Tage vor der Bekanntgabe der jüngsten Quar-talsresultate in den führenden US-Zeitungen publizierte.

Gute Gewinne seien auch wichtig für die Deckung des zukünftigen weltweiten Energiebedarfs. Denn sie ermöglichten Investitionen, die „langfristig im Interesse aller sind". „Was gut ist für General Motors, ist gut für Amerika", hieß es einst. Heute will die Erdölbranche das gleiche von sich selbst behaupten. Sie muss es, denn die steigenden Benzin- und Energiekosten haben zu einem Aufschrei in der Bevölkerung geführt, und viele Amerikaner schieben die Verantwortung den 01-konzernen zu. Das Murren im Volk ist so laut geworden, dass Konsequenzen an der Wahlurne befürchtet werden und Präsident Bush sich diese Woche gezwungen fühlte, das Thema öffentlich aufzugreifen. „Die Ölkonzerne brauchen dieses Geld nicht", sagte er zur Begründung des Entscheids, eine besonders umstrittene Subvention jetzt stufenweise aufzuheben. Eine „windfall tax" (Sondersteuer) plant das Weiße Haus jedoch nicht.

Der Reingewinn von ExxonMobil betrug im ersten Quartal 8,4 Milliarden Dollar, wie Exxon am Donnerstag bekannt gab. Dies war zwar weniger als die Wallstreet erwartet hatte, aber immer noch viermal so viel wie vor vier Jahren, Der Cash, der im ersten Quartal in Exxons Kassen spülte, erreichte 45 Milliarden Dollar. Sieben Milliarden davon wurden an die Aktionäre ausgeschüttet, zwei Milliarden in Form von Dividenden und fünf Milliarden in Form von Aktienrückkäufen. Aktien im Wert von einer weiteren Milliarde wurden zurückgekauft, um die Verteilung von Aktien an Manager zu neutralisieren. Im laufenden zweiten Quartal will Exxon den Wert der Aktienrückkäufe auf sechs Milliarden Dollar erhöhen, wie die Gesellschaft bekannt gab. Letztes Jahr wies Exxon einen Reingewinn von 36 Milliarden Dollar aus -höchster Reingewinn aller Zeiten. (Der vorherige Rekord von 25 Milliarden Dollar war ebenfalls von Exxon aufgestellt worden, im Jahr zuvor). 25 Milliarden Dollar wurden an die Aktionäre ausgeschüttet, und dennoch blieben Ende Jahr 33 Milliarden Dollar Bargeld in der Kasse.

Einige Entrüstung hat auch das Lohnpaket für Konzernchef Lee Raymond ausgelöst, der Ende Januar in den Ruhestand ging. Für sein letztes Amtsjahr erhielt der bullige Texaner ein Basissalär von vier Millionen Dollar, einen Bonus von fünf Millionen, Gratisaktien im Wert von 32 Millionen und „Langzeit-Anreize" von 7,5 Millionen. Zudem übte er Aktienoptionen im Wert von 21 Millionen Dollar aus. Insgesamt verdiente er in dem Jahr 69,7 Millionen Dollar. Daneben besitzt Raymond Exxon-Aktien im Wert von 183 Millionen Dollar sowie Optionen für den Erwerb weiterer Aktien im Wert von 69 Millionen. Und die Pension, die er Ende Januar erhielt, hat einen Einmal-Wert von 98 Millionen Dollar. Doch die Gesellschaft wird ihm weiter die Mitgliedschaft in Golfclubs und anderen Vereinen bezahlen und die Benützung von Firmenjets erlauben.




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Samedi 29 avril 2006 6 29 /04 /2006 19:18
Condo Life: Flasche Leer

Mehr als 25000 Wohungen sind in Washington im Bau
Von Luzian Caspar
(Washington)



Die spekulative Blase im US-„Condominium"-Markt ist geborsten. Die Zeiten, als man mit „Flippen" von Eigentumswohnungen über Nacht Zehntausende von Dollars verdienen konnte, sind vorbei. Viele Spekulanten sitzen auf unverkäuflichen Wohnungen. Dies drückt jetzt auf den Markt generell.

„Die Ehrfurcht erheischende Power einer Residenz im Turnberry Tower" - so heißt es über einem Inserat, das in den letzten Wochen wiederholt in der Washingtoner Presse erschienen ist. Es zeigt die Skizze eines eindrucksvollen, gut zwanzigstöckigen Glasturms, der in Rosslyn, direkt vis-à-vis des Washingtoner Stadtteils Georgetown, gebaut werden soll. „Stellen Sie sich vor: Sie treten aus dem privaten Lift, der Sie in ihre Wohnung bringt, Sie haben Ihre Wünsche beim Concierge deponiert, und jetzt empfängt Sie die magistrale Aussicht auf die historischen Denkmäler der Hauptstadt", heißt es in dem Inserat.

Die „Power-Residenzen", wie das Inserat sie nennt, alle mit Granit-Küchen, Marmorbädern und italienischen Schränken, kosten zwischen 800 000 und vier Millionen Dollar. Der Erbauer, ein Spezialist für Luxus-Eigenrumswohnungen auf den Bahamas und in Florida, verspricht „noch nie da gewesenen Service und Sicherheit". Wahrlich ein gebührendes Ambiente für einen Washingtoner „power broker" oder jemand, der es sein möchte.

Umsätze bei Luxuswohnungen sind gestiegen

Der „Turnberry Tower" wird ein Erfolg werden. Von den 300 Residenzen seien bereits 100 verkauft, sagt Nancy Itteilag, die Verkaufsdirektorin von Long & Foster, die für das Gebäude zuständig ist. Denn Luxuswohnungen seien eine Ausnahme, und „Turnberry Tower" sei ein Gebäude, wie Washington es noch nie gesehen habe. Auf dem Markt für Luxuswohnungen (über eine Million Dollar) seien die Umsätze im ersten Quartal um 21 Prozent gestiegen. Doch der Rest des Condominium-Markts ist schwach. Das Angebot hat die Nachfrage überwältigt, denn Zehntausende von „Condos" stehen vor der Vollendung, und die Käufer sind angesichts exorbitanter Preise und steigender Zinssätze vorsichtig gewordenn.

Zwischen Januar und März hat sich der Absatz von Eigentumswohnungen in der Region Washington laut einer Studie verglichen mit dem Vorjahr praktisch halbiert. Laut einer anderen Studie hat sich die Zahl der Condos, die auf dem Markt sind, verglichen mit dem Vorjahr vervierfacht. Dies hat das spekulative Element praktisch vollständig aus dem Markt vertrieben. „Die Zeiten, als man eine Eigentumswohnung vor Baubeginn fü 250.000 Dollar kaufen und nach der Fertigstellung für 350.000 Dollar weiterverkaufen konnte, sind vorbei", meint Betsy Twigg, eine Immobilienhändlerin der Washingtoner Firma „Long & Foster". „Vor allem im unteren Segment ist der Condo-Markt mittelmäßig".

Vor einem Jahr war das „Flipping" noch in vollem Gange. Spekulanten - vom russischen Ölmagnaten bis zum Zahnarzt aus den Washingtoner Vororten Bethesda, Chevy Chase oder Potomac - kauften Eigentumswohnungen in Serie zusammen, um sie nach wenigen Wochen mit Gewinn wieder zu verkaufen. Weil der Markt so rasant stieg, verdienten sie jedesmal Zehntausende von Dollars. Aber im letzten Sommer wurde der Höhepunkt überschritten. Die Nachfrage gab nach, und die Preise verflachten.

Ablesbar war die Wende am Schwall von Inseraten, der durch den Blätterwald rauschte. Die „Washington Post" publizierte eigens eine Beilage mit dem Titel „Condo Living". „Es ist nicht zu spät, Ihr Leben zu verschönern", hieß es in einem der Inserate.

Es zeigte eine Badenixe in Bikini und Strohhut, die sich auf dem Sprungbrett eines Swimming Pools räkelte. Daneben Fotos einer jungen Frau im Fitness-Raum und zwei junger Paare - trendige „Twentysomethings" - beim Weinprobieren. „Das ist Leben!", versprachen die Inserate. „Leben Sie mit Stil!". Überall junge Frauen - an der Bar, mit Cocktail-Glas und schmachtendem Blick, auf dem Sofa oder im luftigen Sommerrock auf dem Fenstersims -, und immer wieder attraktive junge Leute: Paare an der Bar, im Fitness-Klub oder zu Hause an der Espressomaschine.

Die Botschaft war klar: Wer populär sein will, zieht in einen Condo-Tower. Aber auch die Inserate konnten den Trend nicht wenden, denn die Marktrealitäten waren zu stark. Die Preise waren zu schnell zu hoch gestiegen, und zu viele „Condos" waren auf dem Markt.
Laut einer Firma sollen mehr als 25000 Eigentumswohnungen in Washington im Bau sein. Es ist klar, dass ein solcher Schwall nicht über Nacht absorbiert werden kann. Ähnlich ist die Lage in Miami, wo mehr als 70 000 Condos im Bau sein sollen, und in Las Vegas. Der „Condo craze" hat sich überschlagen. „Urban living" mag immer noch „in" sein, aber Geld verdienen kann man mit Condo-Käufen gegenwärtig nicht mehr.

Ganzer Markt in Mitleidenschaft

Die Misere der Spekulanten zieht den ganzen Markt in Mitleidenschaft. Denn alle Verkäufer müssen jetzt mit den Spekulanten konkurrieren, die auf mehreren Wohnungen sitzen und, weil sie die Objekte auf Pump gekauft haben, oft verzweifelt versuchen, ihre Condos so rasch wie möglich loszuwerden, und deshalb bereit sind, tiefe Abschläge zu akzeptieren. „Aus diesem Grund versuchten wir immer, die Spekulanten fern zu halten", sagt ein Immobilienhändler. „Wenn das spekulative Element flüchtet, verlieren wir alle".

Der Washingtoner Markt habe mehr Spekulation erlebt als jeder andere US-Markt, zumindest bei den teureren Objekten, glaubt Robert Toll, der Besitzer der größten US-Eigenheim-Baufirma. Sogar Millionenvillen seien in den Washingtoner Vororten oft von Spekulanten gekauft worden. Die letzte Hoffnung sind jetzt - wie in Miami - die ausländischen Investoren. Jeder Bauherr hofft, reiche Privatkäufer aus Europa, Russland oder Asien anzulocken. Aber diese sind heute nicht mehr so leicht bereit, sich im US-Markt zu engagieren.

Eigenheim-Markt ist weiter in guter Verfassung


Mitgezogen wird der Rest des Markts - die traditionellen Einfamilienhäuser. (Sie machen heute noch etwa 70 Prozent des Markts aus). Der Eigenheim-Markt sei noch nicht so schwach wie der Condo-Markt und vorläufig weiterhin in ziemlich guter Verfassung, sagen Immobilienhändler. Vor allem in Washington sei die Nachfrage nach wie vor stark, zumindest in den inneren Vorstädten, denn seit dem 11. September habe die Region Washington ein gewaltiges Wachstum an Arbeitsplätzen in der Rüstungs- und Geheimdienstbranche erlebt.

Auch in anderen Regionen der USA ist der Einfamilienhaus-Markt stärker als der Condo-Markt. Aber die Frage ist, wie lange er noch hält. Die Hypothekarzinsen steigen, und dies setzt den Häusermarkt unter Druck. Im besten Fall sei eine „sanfte Landung" zu erwarten, sagen Experten; im schlimmsten Fall ein Kollaps. Am meisten gefährdet sind die wirtschaftlich schwächsten Hausbesitzer - die drei bis vier Prozent, die im Boom der letzten Jahre erstmals Hausbesitzer geworden sind, oft mit Hypotheken, die einer Falle gleichen. Die Besitzer von „Power-Residenzen" werden kaum betroffen sein - Leute mit Connections in der Hauptstadt schwimmen immer obenauf.



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Mardi 1 août 2006 2 01 /08 /2006 17:37


Tech-Aktien unter Druck

VON LUZIAN CASPAR (WASHINGTON)





Die US-Technologieaktien haben eine schlechte Woche hinter sich. Der Nasdaq-lndex ist auf dem tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr angelangt. Selbst Ultra-Blue Chips wie Microsoft und Intel trudeln immer weiter ab.

Der letzte Hieb kam am Freitag: Weil die Gewinnprognosen von Dell Inc. die Hoffnungen von Wallstreet massiv verfehlten, sackten die Aktien des PC-Herstellers um beinahe 10 Prozent ab. Der Titel verlor annähernd fünf Mrd. Dollar an Börsenwert und sank auf den tiefsten Stand seit fast fünf Jahren. Der PC-Gigant, der bis vor nicht allzu langer Zeit nichts falsch machen konnte und dank seinem Direktverkaufs-Modell die Branche beherrschte, leide unter „aggressivem Preisdruck in einem weltweit schwächer werdenden Markt", erklärte die Firma zur Begründung.

Hewlett-Packard (HP) und Lenovo aus China, der Drittweltkonzern, der vor gut einem Jahr das PC-Geschäft von IBM übernommen hatte, verstärken ihren kompetitiven Druck. „Die Ära Dell ist vorbei", schrieb UBS-Analyst Benjamin Reitzes seinen Kunden. Dennoch kamen auch die Aktien von Dell-Konkurrent HP unter Druck. Der Dell-Schock war nur die letzte einer Reihe herber Enttäuschungen, die den US-Techaktien-Markt letzte Woche trafen. Am Mittwoch hatte Yahoo bekannt gegeben, dass der Gewinn im jüngsten Quartal auf ein Viertel des Vorjahresstands gefallen sei und eine geplante neue Technologie für Internet-Inserate („Project Panama") bis zum Jahr 2007 verschoben werden müsse.

Die Aktien sackten daraufhin um 22 Prozent ab. Zehn Mrd. Dollar an Börsenwert wurden vernichtet. So viel hatte Yahoo an einem einzigen Tag noch nie verloren, nicht einmal während dem Kollaps der High Tech-Bubble in den Jahren 2000/01. Und am gleichen Tag enttäuschte Intel die Börse. Der Reingewinn sei im jüngsten Quartal um 57 Prozent gesunken, gab der weltweit führende Chip-Konzern bekannt.

Statt zwei Mrd. Dollar wie im Vorjahresquartal erreichte der Gewinn nur nach 885 Mio. Auch der Umsatz sank um 13 Prozent. Der Grund sei ein Preiskrieg mit dem ewigen Rivalen Advanced Micro Devices (AMD), sagen Branchenexperten. Der Grand-daddy der Halbleiterbranche hat deshalb bereits angekündigt, marginale Geschäftsbereiche verkaufen zu wollen und 1000 Bürostellen abzubauen. Und jetzt wird auch das Topmanagement einer Rochade unterzogen.

Intel und Microsoft, die beiden Blue Chips der weltweiten Tech-Branche, haben an der Börse schon seit langem enttäuscht. Die jüngsten Taucher sind mit ein Grund dafür, weshalb der Nasdaq Composite-Index heute nur noch haarscharf über 2000 Punkten liegt, dem tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Die Intel-Aktien entwickeln sich schon seit vielen Monaten enttäuschend; der Kurs ist inzwischen auf unter 18 Dollar gerutscht.

Die jüngsten Resultate des Softwarekonzerns wurden zwar von der Börse positiv aufgenommen, aber dies lag hauptsächlich daran, dass Microsoft ankündigte, noch im August Aktien im Wert von 20 Mrd. Dollar zurückkaufen zu wollen, und in den kommenden Jahren weitere 20 Mrd. Der Reingewinn ging im jüngsten Quartal um 24 Prozent zurück, nicht zuletzt infolge der jüngsten EU-Buße. Viele Experten betrachten Microsoft schon seit langem als „lahme Ente", die zwar nach wie vor goldene Eier lege, aber keine Ideen mehr habe. Der jüngste Entscheid, eine Kopie des „iPod" von Apple zu
lancieren, könnte diesen Eindruck noch verstärken.

Die Schwäche im PC-Markt und bei den Halbleitern - also im Hardware-Bereich - kann als zyklisches Problem abgetan werden; die Preise sinken zwar laufend, aber das ist kein neues Phänomen. Interessanter sind die Probleme der Software- und Internetfirmen. Der Elephant im Raum, um den sich alles dreht, heißt hier Google. Denn die Internet- bzw. Suchmaschinenwerbung, so scheint es, kristallisiert sich immer mehr als fast einziges verbleibendes lukratives Geschäftsfeld heraus, und hier ist die erst vor kurzem dem „start-up"-Alter entwachsene Firma von Larry Page und Sergey Brin klarer Leader.

In den USA soll Google bei der Suchmaschinenwerbung heute 48 Prozent des Markts beherrschen. Yahoo hat 31 Prozent, Microsoft 14 Prozent. Die ganze Branche blickt auf Google, und Microsoft soll von der Konkurrenz, die von Google ausgeht, geradezu „besessen" sein, wie Beobachter sagen. Google selbst meldete letzte Woche solide Resultate, und gegenüber Yahoo gewinnt Google weiterhin Marktanteile.

Aber weil der Gewinn von Google die Erwartungen von Wallstreet erstmals seit dem Börsengang der Firma nicht haushoch übertraf, war die Reaktion der Börse nur lauwarm.



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Jeudi 17 août 2006 4 17 /08 /2006 09:44
Gerangel um Rohstoffe
Neue Ressourcen sind rar und die Ausbeutung wird immer teurer
VON LUZIAN CASPAR (WASHINGTON)


Unter den internationalen Bergwerkskonzernen ist eine Fusionswelle im Gang. Denn die Metallpreise sind in den letzten zwei bis drei Jahren massiv gestiegen, und „strategische" Rohstoffe werden knapp.

Die Meldung vor ein paar Tagen hat aufmerksame Beobachter die Ohren spitzen lassen: Der brasilianische Bergwerkskonzern „Companhia Vale do Rio Doce" (CVRD) hat sich in den Übernahmekampf um Inco eingeschaltet. Inco ist ein traditionsreicher kanadischer Bergwerkskonzern und gegenwärtig zweitgrößter Nickelproduzent der Welt. Nachdem ein Übernahmeversuch Incos für den Rivalen Falconbridge gescheitert war, ist Inco selber zum Übernahmekandidaten geworden.

Der Offerte von CVRD werden mehr Chancen eingeräumt als zwei früheren Angeboten anderer Konzerne, weil sie zur Gänze aus Bargeld besteht und der brasilianische Konzern über viel mehr Kapital verfuegt als die beiden übrigen Bieter - Teck Cominco aus Kanada und der US-Traditionskonzern Phelps Dodge. Denkbar ist aber auch, dass sich andere Giganten der Branche wie Rio Tinto oder BHP Billiton in den Übernahmekampf einschalten werden.

Die Schlacht um Inco ist nicht der erste dramatische Übernahmekampf, der sich in letzter Zeit in der Bergwerksbranche abgespielt hat. Um Falconbridge rissen sich gleich drei Bewerber. Der Wert des kanadischen Kupfer- und Nickelproduzenten stieg im Lauf des Wettbietens von weniger als 11 Milliarden Dollar auf über 22 Milliarden. Und im Winter überraschte der Goldproduzent Barrick Gold seine Konkurrenten, indem er seinen kanadischen Rivalen Placer Dome übernahm.

In den kommenden Monaten dürfte sich das Übernahmefieber noch intensivieren, glauben die Experten. Laut einer Schätzung von Credit Suisse ist heute ein Viertel aller Bergwerkskonzerne in transnationalen Fusionen involviert Sogar der einst mächtige US-Konzern Alcoa wird als Übernahmekandidat gehandelt. Die Finanzwelt wartet vor allem auf Rio Tinto und BHP Billiton, die beiden australischen Konzerne, die sich bisher mit Übernahmen zurückgehalten haben. Nachdem ihr brasilianischer Rivale ins Karussell eingestiegen ist, sieht man es als wahrscheinlich an, dass auch die beiden australischen Konzerne ihre Strategie korrigieren.

Für die großen Konzerne ist es einfacher und billiger, kleinere Rivalen zu übernehmen als in neue Minen zu investieren. Die Kapitalinvestitionen der Bergwerkskonzerne sind gemessen an den Gewinnen auf einem historischen Tiefpunkt. Denn es wird immer schwieriger, aussichtsreiche neue Minen zu finden. Bei Nickel, Kupfer, Mangan und allen übrigen „strategischen" Metallen herrscht die gleiche Situation wie beim Öl und beim Geld: Nennenswerte neue Vorkommen sind rar, und ihre Ausbeutung wird immer teurer. Umgekehrt sind jene Konzerne, die über große Vorkommen verfuegen - so genanntes „up-stream"-Geschäft - in einer beherrschenden Situation. Beim Eisenerz zum Beispiel dominieren drei Konzerne den ganzen Weltmarkt: Rio Tinto, BHP Billiton und CVRD. Wie ein Kartell diktieren sie den Weltmarktpreis, den die Stahlkonzerne rund um den Globus bezahlen.

Das Gerangel um die natürlichen Rohstoffe ist in vollem Gange. Der Stahlkonzern Mittal Steel zum Beispiel hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2010 genügend Eisenerz-Vorkommen zu erwerben, um zu 82 Prozent autark zu werden. Airbus hat im Mai Lieferverträge mit Titan-Produzenten abgeschlossen, die den Bedarf des Flugzeugherstellers bis zum Jahr 2015 sichern sollen. Und Bridgestone, der japanische Reifenhersteller, hat Gummiplantagen in Indonesien erworben und finanziert neue Plantagen auf anderen Kontinenten.
Par Pancho Villa - Publié dans : Luzian Caspar
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Mercredi 23 août 2006 3 23 /08 /2006 14:38

cp (id.): 59%...?


Haben die Vereinigten Staaten das Energiesparen entdeckt?


„Going green"


Zunehmendes Interesse für Alternativenergien: Privatleute und Unternehmen engagieren sich immer mehr
VON LUZIAN CASPAR (WAHSINGTON)


Amerika werde „grün", schrieb Newsweek vor kurzem. Vor allem die Wirtschaft habe jetzt ernsthaft mit Energiesparen begonnen. Tatsächlich ist die Energie-Abhängigkeit in der US-Öffentlichkeit jetzt zu einem Thema geworden.


„Steve, warum lässt du eigentlich deine Klimaanlage immer so kalt laufen?" - „Weil das mein Recht ist", antwortet der gut 40-jährige Blues-Liebhaber, der in einem bescheidenen Häuschen in der Vorstadt lebt und einen leicht verbeulten Honda fährt. „Im Sommer ist das mein kleiner Luxus." Damit drückt der aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammende, College-gebildete Bibliothekar etwas aus, was tief zum amerikanischen Lebensgefühl gehört, zumindest seit rund 50 Jahren: Wir leben im Überfluss, wir müssen an nichts sparen.

Schon in den siebziger Jahren war das erste, was einem Besucher aus Europa in Amerika auffiel, die unglaubliche Verschwendung: Die fast karton-dicken Papiertüten, die man in jedem Laden erhält, wenn man auch nur das kleinste Brötchen gekauft hat, oder die Tatsache, dass der „Grey-hound"-Chauffeur, wenn der Bus an einer Raststätte 20 Minuten anhält, die Klimaanlage auf vollen Touren laufen lässt, oft mit offener Türe.

Jetzt könnte sich dies vielleicht ändern. Wenn auch oft noch zaghaft, beginnen mehr und mehr Amerikaner zu entdecken, dass Energie nicht unbegrenzt ist und man mit natürlichen Ressourcen sparsam umgehen sollte. Robert, ein junger Mann, der sich schon seit langem für die Umwelt interessiert und in diesem Sommer einen Kurs für „umweltbewusstes Anlegen" lanciert hat, meldet gute Nachfrage für seinen Kurs.

Die „Foundry"-Kirche in Washington hat soeben eine „Umwelt-Mission" gestartet, und John, der in der Segelmarina von Washington die Nachtwache besorgt, hat den Thermostat in seiner Wohnung weit nach oben geschraubt und meint: „Dieser Benzinverschleiß auf unseren Straßen muss aufhören. Die Regierung muss etwas unternehmen".

Die Experten gehen damit einig: „Amerikas extreme Abhängigkeit vom Öl ist eine unannehmbare Bedrohung der nationalen Sicherheit und unseres Wohlstands", schrieben zwei angesehene Experten (Frederick Smith und P.X. Kelley) vor ein paar Tagen in der „Washington Post".

Klar ist, dass das Bewusstsein sich geändert hat. Auslöser waren nicht nur die steigenden Benzinpreise, sondern auch die „Katrina"-Katastrophe in New Orleans vor einem Jahr. Niemand bezweifelt mehr, dass das globale Klima sich erwärmt - AI Göre's jüngster, sensationeller Dokumentarfilm „An Inconvenient Truth" bestätigt nur die schlimmsten Befürchtungen. Nur die Regierung versucht ein Stück weit nach wie vor, den Konsens der Wissenschaftler zu leugnen. Das Schmelzen der Gletscher und arktischen Eismassen hat in den letzten paar Wochen in den Medien großes Echo gefunden - es scheint, dass plötzlich jedermann anerkennt, dass die Entwicklungen in der Natur unter Umständen qualitative Sprünge machen können. Viele Amerikaner sind religiös, und
die Sorge um die Schöpfung, deren „Pflege" nach gewissen biblischen Auffassungen die Aufgabe des Menschen ist, ist jetzt sowohl in linken wie in konservativen Kirchen zu einem Thema geworden.

Und daneben spielt natürlich das Selbstinteresse: Bei Benzinpreisen von über drei Dollar pro Gallone sind viele Amerikaner nervös geworden, und die totale Abhängigkeit vom Auto macht Angst.

Energiesparen ist deshalb salonfähig geworden, und in gewissen Kreisen sogar chic. Die Führungsrolle spielt dabei nicht der Staat, sondern die Wirtschaft. Wenn neue Geschäftshäuser gebaut werden, lautet der Auftrag an die Architekten jetzt nicht selten, ein „grünes" Gebäude zu entwerfen. Stararchitekten wie Norman-Foster sind auf den Zug aufgesprungen.

In einem noch in Planung befindlichen neuen Wolkenkratzer der Bank of America sollen die Küchenabfälle des Personalrestaurants kompostiert werden und in Form von Methangas die Hälfte des Elektrizitätsbedarfs decken. Wichtiger ist, dass die hohen Benzin- und Erdgaspreise jetzt mehr und mehr Unternehmen zwingen, Energie zu sparen, ganz unabhängig davon, ob dies nun„in" ist oder nicht.
Denn der Blick auf die „bottom line" (Gewinn) erheischt es. Sogar Walmart will seinen „ökologischen Fußabdruck" (carbon footprint) in den nächsten sieben Jahren um 20 Prozent reduzieren. Der Superdiscounter hat zum Beispiel begonnen, für Spielzeuge etc. kleinere Kartonboxen zu wählen.

(Endlich kann man einen Teddybär auspacken, ohne kubikmetergroße Schachteln zu zertrümmern und meterlange Luftblasenschläuche durchs Zimmer zu wirbeln). Dies allein soll pro Jahr 3,5 Millionen Dollar an Transportkosten einsparen und - nach Wal-mart's Kalkulation - 5 000 Bäume vor der Axt retten.

Es gehe um einen „Kampf um die Seele der amerikanischen Wirtschaft", schrieb das Newsweek-Magazin vor kurzem in einer Titelgeschichte. Wenn die Privatunternehmen in großem Stil beginnen sollten, Energie zu sparen, dann könnte dies in der Tat gewaltige Auswirkungen haben. Der Anteil der erneuerbaren Energien am US-Energieverbrauch, der seit dreißig Jahren unverändert bei rund sechs Prozent liegt, könnte deutlich zu steigen beginnen.

Weil die Fossil-Energien knapp werden, könnte der Markt tatsächlich spielen. Vielleicht das deutlichste Zeichen, dass in der Wirtschaft ein Umdenken eingesetzt hat, ist die Tatsache, dass jetzt auch Wallstreet die Alternativenergien entdeckt hat.

Die Brokerhäuser lancieren immer mehr „grüne" Fonds, die „Hedge Funds" haben sich ins Spiel eingeschaltet, und die Investmentbanken haben begonnen, auf eigene Faust in Alternativenergien zu investieren. Goldman-Sachs zum Beispiel beteiligt sich direkt an Wind- und Solarenergie-Firmen, und J.P. Morgan, Merrill Lynch etc. tun das gleiche.

Denn laut einer Schätzung von Credit Suisse hat sich der weltweite Börsenwert der Sonnenenergie-Firmen in den letzten zwölf Monaten verdreißigfacht (auf 27 Milliarden Dollar).

Nicht zuletzt Star-Investoren haben die „grünen" Energien (inkl. Ethanol) entdeckt, wie „Business Weck" vor kurzem meldete. Warren Buffett, Bill Gates, Steve Gase, „Virgin"-Boss Richard Branson, Tech-Guru Paul Allen und die „Google"-Gründer Larry Page und Sergey Brin haben alle in Alternativenergien investiert, manchmal hunderte von Millionen Dollar. Das „smart money" hat offensichtlich etwas gerochen. Ein großer Teil des Geldes wird allerdings in Übersee investiert, nicht in den USA, denn die USA liegen bei den Alternativenergien weit hinter anderen Nationen.

In der Gezeiten-Energie zum Beispiel spielt sich fast die ganze Forschung in Europa ab (vor allem in Großbritannien); die USA sind praktisch nicht präsent. Dies, obwohl Präsident Bush in seiner letzten „State of the Union"-Rede versprochen hat, die Erforschung von Alternativenergien staatlich zu fördern.

Die Mühe Amerikas, mit Energie vernünftig umzugehen, ist letztlich ein kulturelles Problem, nicht eine Management-Aufgabe. Die Energieverschwendung, die die „Zukunft Amerikas bedroht", wie Experten sagen, wird erst ein Ende nehmen, wenn ein Umdenken in der Bevölkerung stattgefunden hat - wenn Steve seine Klimaanlage tiefer schaltet, auch wenn er ein „Recht" auf seinen „Luxus" hat.



Par Pancho Villa - Publié dans : Luzian Caspar
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Samedi 26 août 2006 6 26 /08 /2006 11:35
Wirtschaftspolitisch
konservativ

Neue Skandale rücken den gelernten Anwalt wieder in den Mittelpunkt

VON LUZIAN CASPAR (WASHINGTON)



Der Skandal um die „Rückdatierung" von Aktienoptionen hat die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC („Securities and Exchange Commis-sion") gezwungen, öffentlich aktiv zu werden. Aber der Vorsitzende der Behörde, Christopher Cox, hat andere Prioritäten.


Europäische Konzerne, die sich über das „Sarbanes-Oxley"-Gesetz ärgern, haben in Christopher Cox einen Alliierten. Denn der knapp 55-jährige, stramme Anwalt, der seit einem Jahr der amerikanischen Wertpapierbehörde vorsteht, ist wirtschaftspolitisch ein Konservativer, der nicht an die Vorzüge staatlicher „Regulierung" glaubt und lieber so viel wie möglich dem Markt überlässt. Konsumentenschützer warnten bei seiner Ernennung, Cox sei ein Freund der Wirtschaft und schere sich wenig um den Schutz der Sparer. Als SEC-Chef werde Cox sich vermutlich „wie der Fuchs im Hühnerstall" aufführen. In seinen 17 Jahren als Kongressabgeordneter habe sich Cox konsequent auf die Seite der Wirtschaft und der Banken gestellt und die Interessen der Anleger und Sparer ignoriert, schrieb Joan Claybrook, die Präsidentin der Konsumentenschutz-Organisation „Public Citizen". Als SEC-Chef sei Cox deshalb „disqualifiziert".


Tatsächlich ist Cox ein wichtiger Repräsentant der konservativen Revolution, die Amerika seit den Achtzigerjahren langsam aber sicher überrollt hat. Der hochintelligente Harvard-Absolvent, der gleichzeitig knallhart und vorsichtig sein kann, wird mit John Roberts verglichen, dem ebenfalls hochintelligenten, aber seltsam zurückhaltenden Juristen, den Präsident Bush letztes Jahr zum Obersten Bundesrichter machte, tn der Tat würde es nicht überraschen, wenn Cox nach seinem Abstecher zur SEC im Obersten Gerichtshof landen würde - die konservative Zeitschrift „National Review" schlug ihn bereits im letzten Herbst als Bundesrichter vor. Denn Cox ging wie Roberts durch die Harvard-Schmiede - er schloss gleichzeitig an der Harvard Law School und der Harvard Business School ab und war wie Roberts eine Zeitlang Redakteur der „Harvard Law Review". Wie Roberts begann er seine Karriere als junger Anwalt im Weißen Haus unter der Reagan-Administration.

Auf einem Kongress konservativer Politiker vor einem Jahr besorgte Cox die Einführung von Hauptredner Dick Cheney und behauptete, im Irak würden „laufend Massenvernichtungswaffen gefunden". Kein Wunder gilt Cox, der am Morgen des 11. September mit Rumsfeld im Pentagon war, als ein Liebling der neokonservativen Riege um Cheney, Rumsfeld und Wolfowitz.

Im Kongress, wo er 17 Jahre lang einen Distrikt aus Kalifornien vertrat und dabei reichlich Gelegenheit hatte, die Hightech- und Venturekapitalfirmen zu begünstigen, für die er zuvor als Partner einer Anwaltsfirma gearbeitet hatte, hinterließ er vor allem zwei Gesetze (1995 und 1998), die beide zum Zweck hatten, Sammelklagen gegen Industriekonzerne, Spitzenmanager und Revisoren zu erschweren. Er setzte auch seine ganzen Juristenkünste ein, um gewisse Reformen der US-Buchhaltungsregeln (Financial Accounting Standards Board) zu verzögern oder zu torpedieren. Cox war auch eine treibende Kraft in der Kampagne zur Abschaffung der Erbschaftssteuer.

Bis jetzt haben sich die Befürchtungen über den neuen SEC-Chef nur bedingt bestätigt. In seinem ersten Amtsjahr ist Cox vor allem durch seine Vorsicht aufgefallen. In den meisten Fällen entschied er sich, Entscheide hinauszuzögern; seine Karten hielt er verdeckt. Das „Sarbanes-Oxley"-Gesetz hat Cox bisher nicht attackiert, sondern sich darauf beschränkt, den Unternehmen - namentlich den ausländischen, die drohen, die Notierung an den US-Börsen rückgängig zu machen - mehr Zeit einzuräumen. Die Strafen an Banken und Unternehmen will Cox zwar reduzieren, aber bisher kam dies erst in einem Fall zum Tragen. Und in der Debatte um die Registrierung der Hedge Funds hielt sich Cox lange bedeckt. Die Hauptaufmerksamkeit des Vorsitzenden galt bisher dem Ziel, die Selbstständigkeit seiner Beamten zu beschneiden. Unter Cox' Vorgänger William Do-naldson hatten die SEC-Anwälte sich frei gefühlt, Untersuchungen weitgehend nach eigenem Gutdünken zu starten, aber diesem „Aktivismus" will Cox jetzt ein Ende bereiten.
Par Pancho Villa - Publié dans : Luzian Caspar
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Mercredi 6 septembre 2006 3 06 /09 /2006 16:52

Das Geschaeft mit der Angst



David Brooks ist, oder war bis vor kurzem, Chef der „DHB Industries", eines Herstellers kugelsicherer Westen. Im letzten Herbst machte er weltweit Schlagzeilen, weil er für das „Bat Mitzvah" (jüdische Konfirmation) seiner Tochter im berühmten „Rainbow Room" ein Fest arrangierte, wie man es selbst in New York noch selten gesehen hat.


Tom Petty, Aerosmith und andere Rockgruppen wurden per Firmenjet eingebogen, um die gut 300 Gäste zu unterhalten, und der stolze Vater war so aufgepumpt, dass er in einem rosaroten Leder-Dress auf der Bühne erschien, der selbst Elvis Presley hätte erröten lassen. Die ganze Veranstaltung kostete etwa zehn Millionen Dollar, schätzt man in New York.


Brooks ist nur ein Extrembeispiel für den Boom, der in der Rüstungs- und Sicherheitsindustrie in den letzten fünf Jahren ausgebrochen ist. Namentlich die Sicherheitsbranche hat seit den Terroranschlägen in New York einen ungeahnten Aufschwung erlebt. Denn Sicherheit hat seit dem 11. September überall Priorität -nicht nur in der Regierung, sondern auch in der Privatwirtschaft.

 
Der Boom erstreckt sich sowohl auf die Hardware- wie die Software-Branchen: hochleistungsfähige Überwachungsanlagen für Flughäfen und Häfen, Sensoren, die radioaktive Strählung in 'Containern aufspüren, Infrarot-Monitore für den Schutz von Fabriken etc. Und auf der Software-Seite das ganze Gebiet der „Cybersecurity" - Schutz von Internet-Zugängen und digitalen Datensammlungen vor Hackern und Terroristen.


Vor allem Banken und Versicherungen haben in den letzten Jahren Millionen ausgegeben, um sich vor physischen oder digitalen Attacken zu schützen. Und Auslagen für die Sicherheit werden viel weniger kritisch geprüft als andere Ausgabenposten, sowohl beim Staat wie in der Privatindustrie. Denn wenn es um Sicherheit geht, sind kritische Fragen meist verpönt.


Der Goldrausch begann mit der Schaffung des Ministeriums für „Homeland Security" - oder zumindest hoffte man dies in der Geschäftswelt. Denn das neue Ministerium wurde gleich von Anfang an mit einem Budget von 30 Milliarden Dollar ausgestattet. Und selbst dies ist nur etwa die Hälfte aller Bundesausgaben für „Sicherheit". Die Gesamtausgaben für Sicherheit im US-Bundesbudget haben sich seit dem Jahr 2000 auf zirka 50 Mrd. Dollar verdreifacht. Jede Menge neuer Initiativen wurden gestartet: „US-Visit" (Überwachung der Besucher und Touristen, die in die USA einreisen), „American Shield" (Schutz der Grenzen) oder „Project Bioshield" (biologische Terrorattacken).

Die Lobbyisten der Rüstungs- und Computerindustrie leckten sich die Lippen, vor allem die so genannten „Beltway-Banditen" (Lobbyisten für die größten Rüstungskonzerne). Denn während alle anderen Bundesausgaben eingefroren sind, steigen die Budgets für Rüstung und „Homeland Security" stetig an. Letztes Jahr schrieb das Ministerium für Homeland Security mehr als 30 Aufträge mit einem Wert von 100 Millionen Dollar oder mehr aus, und ein Auftrag im Wert von 500 Mio. war geplant. Tatsächlich vergeben wurden letztes Jahr Aufträge für elf Mrd. Dollar.


Der Boom in der Rüstungs- und Sicherheitsbranche ist der Hauptgrund dafür, weshalb die Region Washington in den letzten Jahren alle übrigen US-Regionen wirtschaftlich überholt hat: Inzwischen sind fünf der sieben reichsten „counties" (Verwaltungsbezirke) Amerikas Vororte von Wa¬shington, wie das „Census Bureau" soeben ermittelt hat.

 
Kritiker haben gewarnt, infolge der Ereignisse des 11. Septembers könnte es in den USA zu einem neuen „Sicherheitsindustriellen Komplex" kommen. Fast der einzige Faktor, der den Boom bremst, ist der Mangel an Fachleuten mit einer „security clearance" - eine -Bescheinigung der Behörden, dass der Bewerber kein Sicherheitsrisiko darstellt.

Oft dauert es mehr als zwei Jahre, bis ein Ingenieur oder Software-Programmierer eine solche Bescheinigung erhält. Gesamtwirtschaftlich ist der Nutzen des Booms fraglich. Denn oft profitieren die Sicherheits-Firmen nur auf Kosten anderer Branchen, und oft ersetzt das neue Geschäft nur etwas, was zuvor entgangen war.

In vielerlei Hinsicht ist der Boom bestenfalls ein Nullsummenspiel. Und wie jedes „goldene Zeitalter" bringt die „post-9/11 world" unschöne Nebenerscheinungen mit sich, wie der Fall Brooks zeigt.


Brooks ist übrigens inzwischen entlassen worden. Denn der Aktienkurs seiner Firma ist abstürzt, und gegen ihn lauf eine Untersuchung der Börsenaufsichtsbehörde SEC wegen Insiderhandels und möglichen Betrugs.

Par Pancho Villa - Publié dans : Luzian Caspar
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